Was wenn die Beziehung zu Gott lustlos wurde? 2 Tipps von John Piper, getestet

John Piper - When I don't desire God

Schleichend kam sie, die Lustlosigkeit: Keine Lust zum Beten, das Bibellesen gemäss Leseplan am Morgen abgehakt und los geht’s in den Tag.

Das war doch früher anders! Ich erinnerte mich wie John Piper in “Desiring God” beschrieb, wie sich “Lust” nach Gott anfühlt. Aber nun, wenn sie nicht mehr da ist, ist sie halt nicht mehr da.. Aber oh weh, leidig ist es, wenn Christen freudlos sind, Lloyd-Jones dazu:

Zu oft scheinen Christen in einer Dauer-Flaute zu sein; sie erwecken den Eindruck von Unzufriedenheit, fehlender Freiheit und Freudlosigkeit. Ohne Frage ist dies der Hauptgrund, wieso eine grosse Anzahl Menschen kein Interesse mehr am Christentum haben.

Doch was, wenn bei mir gerade Flaute ist? Genau dazu hat Piper das Buch geschrieben “When I Don’t Desire God: How to Fight For Joy“. Der Titel hat mich angesprochen und als Fan von John Piper kam ich eigentlich nicht um das Buch herum.

Im ersten Teil erweckt er eine “Lust nach Gott” (ähnlich wie in “Desiring God”), im zweiten Teil wird er praktisch: Es gibt natürlich viele Gründe, wieso man die Freude an Gott verloren hat: U.a. behandelt er das Thema “Depression”. Bei mir brauchte es einfach eine Portion “naht Euch zu Gott, so naht Er sich zu Euch” um meine Freude zu Gott wiederzufinden. Zwei Dinge haben mir dabei sehr geholfen:

1. Das Morgengebet

Ein englischer Prediger sagte mal: »well, do you need to read your bible in the morning? You only need to, if you want to do well spiritually«. Damals fand ich den Satz gesetzlich, aber mittlerweile stimme ich der Aussage zu (auch wenn ich sie vielleicht etwas anders formulieren würde). Auch Piper schlägt vor, jeden Morgen eine feste Zeit zu haben, sozusagen das “feste Fundament, worauf die freie Beziehung zu Gott stehen kann”.

Die meisten seiner Empfehlungen habe ich umgesetzt: Ich habe mir 1 Stunde Zeit eingeplant und einen speziellen Ort eingerichtet. Er empfiehlt, die Zeit mit einem Gebet zu beginnen:

  1. »Neige mein Herz zu Dir, dass ich weder aus stolzer Gewinngier noch aus falschen Motiven bete« (Ps. 119,36) – ich füge jeweils dazu an, dass Gott mich vor der Gesetzlichkeit schützt, die behauptet, dass ich nun ein besserer Christ wäre, da ich morgens bete.
  2. »Öffne meine Augen, so dass sie Dein Wort verstehen« (Ps. 119,18) – ich füge jeweils dazu, dass Gott mir seine Schrift öffnet, damit ich nicht darüber hinweg lese.
  3. »Richte mein Herz auf das eine, dass ich Dich fürchte« (Ps. 86,11) – ich füge dazu, dass Gott mir Aufmerksamkeit schenkt und kein wanderndes Herz, das bei der Arbeit oder Alltagssorgen ist.
  4. »Sättige mich mit Deiner Gnade« (Ps. 90,14) – nähre mich, damit ich in den Tag satt starten kann und selbst für die andere eine Quelle sein kann.

Auf Englisch lautet das Akronym zu den vier Schritten IOUS (Incline, Open, Unite, Satisfy). Das Deutsche NÖRS ist nicht ganz so hübsch aber dafür einprägsam..

Ich finde dieses Gebet enorm hilfreich. Zu meiner Schande muss ich sagen, dass mein Herz am morgen früh meist “kalt für Gott” ist, dass ich häufig gar keine Lust auf die Zeit mit Gott habe. Während dieses Gebets erwärmt Gott mein Herz, macht es weich, damit es sich überhaupt auf Gott einlassen kann.

Und nun die Überraschung: Damit ist der “freie Gebetsteil” zu Ende, Piper spricht sich gegen das lange, freie Gebet aus! Der Grund ist dieser: Wenn wir frei beten, sind wir automatisch mit uns selbst beschäftigt und das Gebet besteht hauptsächlich aus unseren eigenen Emotionen (ich habe hier schon mal darüber geschrieben).

Anstelle des freien Gebets schlägt Piper vor, das Gebet in das Lesen der Bibel einzuflechten: Er empfiehlt, ein paar Verse zu lesen, und dann darüber zu beten:

Ist es ein Gebot? So bete, dass Gott dein Herz zur Umkehr bringt, damit es das Gebot gerne hält. Ist es eine Verheissung? Dann danke Gott dafür oder bete für Vertrauen, dass Gott die Verheissung erfüllen wird; etc.

Erst dachte ich, dass so meine persönliche Anliegen keinen Platz hätten, aber erstaunlicherweise kommen sie so fast immer zum Zug.

Nach gut einem Monat kann ich sagen: Wenn es etwas gibt, das mein Glaubensleben in den letzten Jahren bereichert hat, dann ist es solches “Bibel-Lesen-Gebet”!

2. Bibelverse auswendig lernen

Bibelverse auswendig lernen mit AnkiDroid

Bibelverse auswendig lernen schien mir etwas altbacken. Macht man heute nicht mehr. Ich kann die Verse ja aufschlagen auf meinem Handy, und das habe ich immer dabei. Ich war einigermassen überrascht, als Piper diesem Thema ein halbes Kapitel widmete.

Doch, einmal ausprobiert, habe ich die Wirkung geschmeckt: Verse auswendig lernen ist sozusagen der “Seitenwagen” des morgendlichen Bibellesens. Oder anders gesagt: Das Lesen am Morgen ist ein Lesen mit den Augen, das Auswendiglernen ist ein Essen des Wortes mit dem Mund. Es gibt in meiner Erfahrung nichts, was mir das Wort Gottes näher ans Herz zieht.

Ganz praktisch schlägt Piper vor, jede Woche ein paar Verse zu lernen. Ich habe mir dazu die App “Anki” (gibt es für Android und für iPhone, Mac und Windows) installiert und in etwa Folgendes gemacht:

  1. die Anki-Karte anlegen mit einem Vers, der mir beim Bibellesen ins Auge gestochen ist (Copy-Paste des Bibeltexts auf dem Laptop oder auf dem Handy)
  2. Vers(e) 10x Wort für Wort durchlesen, den Text sichtbar vor sich halten.
  3. die Verse 10x versuchen auswendig aufzusagen (da merke ich dann, welche Teile ich mir nicht so gut gemerkt habe).
  4. den Vers durch den Tag immer wieder ins Gedächtnis rufen

Die Schritte 1-3 lassen sich gut unterwegs machen (Schritt 4 sowieso). Ich persönlich nehme mir dafür nach der Mittagspause ca. 10 Minuten Zeit.

Nach 1-2 Tagen ist der Vers “drin”, sodass ich ihn bei einer “brenzligen” Situation, bei einem geistlichen Kampf sofort in Gedanken rezitieren kann und so die Schlacht gewinnen kann.

Dann fühlt es sich so an, als wäre die Zeit mit Gott nicht mehr nur auf den Morgen beschränkt, sondern kann den ganzen Tag erfüllen.

Charles Darwin über die Krux des analytischen Denkens Martyn Lloyd-Jones' »Die Predigt und der Prediger« - ein Interview

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