Die Tücken des Psalmengebets und drei Alternativen - Gastbeitrag von Sebastian Walter

Sebastian Walter hat die Serie über Bibellesen/Gebet hier auf dem Blog gesehen und hat mir spontan seine Gedanken zum Thema Gebet geschickt, welche ich und bereichernd empfand und - obwohl in leicht anderer Form - in diese Reihe als Nummer 5 einreihe.


Sebastian Walter

Sebastian Walter

Ich bin katholischer Priesterseminarist. Katholische Kleriker sind dazu verpflichtet, das “Stundengebet” zu pflegen, also täglich mehrmals eine vorgegebene Abfolge von Hymnen, biblischen Gedichten und Fürbitten zu beten (Wer sich das gerne einmal anschauen möchte: Hier findet man die Texte). Ein wichtiger Bestandteil der Priesterausbildung in Würzburg ist es deshalb, dass wir uns mindestens zweimal am Tag zum gemeinsamen Stundengebet versammeln.

Die Tücken des Psalmengebets

Ich bin kein guter Psalmenbeter. Ich liebe zwar die Psalmen, aber ich bin oft nicht in der Lage, die Psalmen auch wirklich zu beten - weil die meisten ursprünglich für eine bestimmte Situation geschrieben worden sind, die mit meiner überhaupt nichts zu tun hat. Ich will nunmal sehr selten, dass Gott meinen Feinden “Kiefer und Zähne zertrümmert”, dass er dem König Gesundheit verleiht oder dass Gott mich auf meiner Wallfahrt zum Jerusalemer Tempel behütet. Wie soll ich also solche Psalmen ernsthaft nachbeten können? Und auch bei den übrigen Psalmen: Dass ich mir nicht selbst aussuchen kann, welche Psalmen ich wann beten möchte, ist ein großes Problem für mich. Wie soll ich zum Beispiel Psalm 23 beten, wenn ich mich mal sehr “unschäflich” fühle, weil ich gerade mit Gott hadere? Oder wie Psalm 130, wenn ich aber doch gerade sehr fröhlich bin?

Wie gestaltest Du Deine Zeit im Wort und Gebet? Dave Jäggi erzählt

Dies ist Gastbeitrag Nr. 4 in der Reihe, wo Christen erzählen, wie sie ihr Bibellesen und Beten gestalten. Hier geht’s zur Übersicht


Dave Jäggi

Dave Jäggi

Dave, erzähle kurz über Dich: Wie lange bist Du schon Christ? In welcher christlichen Tradition lebst Du? Was machst Du beruflich? Hast Du Familie?

Ich bin “christlich sozialisiert” aufgewachsen, wie man so schön sagt. Und zwar in einer Freikirche. Ich war 6 Jahre alt, als ich Jesus bewusst in mein Leben eingeladen habe. Das war an einem unspektakulären Abend, im Korridor vor dem Kinderzimmer, zusammen mit meiner Mutter. Sehr schlicht, aber bis heute prägend. Ganz kurz gesagt würde ich mich als evangelisch bezeichnen. Mit meinen Glaubensansichten habe ich manchmal das Gefühl, zwischen Stuhl und Bank zu fallen. Den Evangelikalen zu liberal und den Liberalen zu christozentrisch. Darum bin ich von Karl Barth angetan: Er war in grosser Freiheit christozentrisch. Ich schätze es, in Freiheit zu glauben und bin sicher, dass Gott damit wenig Probleme hat. Weil das Hören auf den Heiligen Geist und seine Kraftwirkungen eine grosse Rolle in meinem Leben spielen, würde ich mich als liberal-charismatischen Pietist bezeichnen. Ich arbeite 50% an einem theologischen Bildungsinstitut, bin mitten in meinem theologischen Masterstudium und stehe zusammen mit einem Team in einer missionalen Gemeindepflanzungs-Arbeit bei Chrischona Schweiz. Das alles wäre nicht zu schaffen ohne meine liebe Frau, mit der ich seit bald 14 Jahren verheiratet bin. Wir haben drei Kinder im Alter von 3 bis 9 Jahren.

Welches sind die Herausforderungen um Zeit zu finden für das persönliche Gebet/Bibellesen?

Die grösste Herausforderung für mich sind meine unterschiedlichen Tagesrhythmen. Jeder Tag beginnt zu einer anderen Zeit. Zudem bin ich viel unterwegs. Da ist es schwierig, eine fixe Zeit zu finden, um die Spiritualität ganz bewusst zu pflegen.

Wie gestaltest Du Deine Zeit im Wort und Gebet? Hanniel Strebel erzählt

Dies ist Gastbeitrag Nr. 3 in der Reihe, wo Christen erzählen, wie sie ihr Bibellesen und Beten gestalten. Hier geht’s zur Übersicht


Hanniel Strebel

Hanniel Strebel

Hanniel, erzähle kurz über Dich: Wie lange bist Du schon Christ? In welcher christlichen Tradition lebst Du? Was machst Du beruflich? Hast Du Familie?

Wenn ich mich richtig erinnere, kniete ich 1982 an meinem Bett nieder und bat Jesus um Vergebung für meine Schuld. Ich war mir nicht ganz sicher, ob dies reichte. Also wiederholte ich dieses Gebet in den nächsten Jahren einige Male. Mit 16 Jahren kam der Moment, als ich an eine weiterführende Schule wechselte. Ich war vor die Frage gestellt: Den Glauben leben oder ihm den Rücken kehren? Ich entschloss mich, das erste zu tun und bereute es nie. Ich bin seit fast 20 Jahren der Evangelische Gemeinde Albisrieden, heute Teil des Bundes FEG, zugehörig. Seit einer Reihe von Jahren bin ich in Lehre und Leben reformatorisch gesinnter Christ. Ich arbeite zu 70% als Führungskräfteentwickler im Gesundheitswesen. Seit über 13 Jahren bin ich glücklich mit Anne Catherine verheiratet. Wir haben das Vorrecht, unsere fünf Söhne (4, 6, 8, 10, 12) ins Leben begleiten zu dürfen.

Welches sind die Herausforderungen um Zeit zu finden für das persönliche Gebet/Bibellesen?

Da gibt es mehrere. Übergeordnet lässt sich sagen: Die persönliche Zeit mit Gott ist ständige „Kampfzone“, weil sie eine wichtige Quelle des geistlichen Wachstums ist. Seitdem ich tägliche Gewohnheiten etabliert habe, haben sich die Probleme verschoben. Das heisst, es geht um die inhaltliche Auseinandersetzung: Finde ich Konzentration? Lasse ich mir in mein Leben sprechen? Bin ich wirklich auf den Geber ausgerichtet?

Wie gestaltest Du Deine Zeit im Wort und Gebet? Hansruedi Stutz erzählt

Dies ist Gastbeitrag Nr. 2 in der Reihe, wo Christen erzählen, wie sie ihr Bibellesen und Beten gestalten. Hier geht’s zur Übersicht


Hansruedi Stutz

Hansruedi Stutz

Hansruedi‚ erzähle kurz über Dich: Wie lange bist Du schon Christ? In welcher christlichen Tradition lebst Du? Was machst Du beruflich? Hast Du Familie?

Ich habe mich bekehrt als ich 15 Jahre alt war. Jetzt bin ich 89 Jahre alt, also 74 Jahre lang Christ. Ich bin seit 89 Jahren Pfingstler. Beruflich bin ich Rentner, lernte zuerst Feinmechaniker und besuchte anschliessend während drei Jahren die Ingenieurschule Winterthur. Bis zur Pensionierung arbeitete ich als Entwicklungsingeneur. Ich habe vier Kinder, zehn Grosskinder und drei Urgrosskinder.

Welches sind die Herausforderungen um Zeit zu finden für das persönliche Gebet/Bibellesen?

Ich habe mir schon früh zur Gewohnheit gemacht, am morgen zuerst ein Kapitel aus der Bibel zu lesen. Das habe ich seit der Bekehrung praktiziert. Dadurch habe ich die Bibel schon etwa dreissig mal von 1. Mose 1 bis Offenbarung durchgelesen und entdeckte immer wieder Neues.

Wie gestaltest Du Deine Zeit im Wort und Gebet? Ruth Metzger erzählt

Dies ist Gastbeitrag Nr. 1 in der Reihe, wo Christen erzählen, wie sie ihr Bibellesen und Beten gestalten. Hier geht’s zur Übersicht


Ruth Metzger

Ruth Metzger

Ruth, erzähle kurz über Dich: Wie lange bist Du schon Christ? In welcher christlichen Tradition lebst Du? Was machst Du beruflich? Hast Du Familie?

Im Januar 1970 hat der Heilige Geist aus einem rebellischen und zutiefst unglücklichen Teenager ein Kind Gottes gemacht. Das ist jetzt 45 Jahre her, und ich bin seither durch einige Gemeinden verschiedenster Ausprägungen gekommen, habe überall was gelernt, aber vieles auch verwerfen müssen. Zur Zeit gehöre ich zu einer Calvary Chapel mit einer gemäßigt reformierten Prägung. Ich hab eine große Familie (7 Kinder, 8 Enkel), aber lebe jetzt allein. Ich arbeite 25 Stunden in der Woche mit schwerst mehrfach behinderten Erwachsenen und habe eine relativ geregelte Arbeitszeit (kein Schicht- und Wochenend-Dienst).

Wie gestaltest Du Deine Zeit im Wort und Gebet? Christen erzählen

Vor gut einem Monat habe ich dank Pipers Buch “When I don’t desire God” das persönliche Gebet und Bibellesen wiederentdeckt. Was dann passiert ist, lässt sich in etwa so beschreiben, dass ich die Quelle aus Johannes 7,38 entdeckt habe:

Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.

Es scheinen plötzlich alle Bereiche meines Lebens zu sprossen. Und vor allem: meine Beziehung zu Gott ist wieder auf ein viel höreres Niveau gelangt. Der Effekt war gewaltig. Mehr denn je bin ich überzeugt, dass fruchtbares Bibellesen & Gebet eine der Hauptquelle für alle Christen ist.

Doch vielen fällt es schwer, diese Zeit gewinnbringend zu gestalten: Sie finden keine Zeit, oder das Bibellesen ist langweilig und unfokussiert, das Gebet ziellos und repetitiv. Solche Zeiten sind eine blosse Pflicht und sind keine Quelle, die auch für andere Leute nützlich ist.

Um ein paar Inspriationen zu geben habe ich ein paar Leute angefragt, ob sie ganz persönlich erzählen könnten, wie sie ihre Zeit im Wort und Gebet gestalten. Die nächsten Tage werde ich die Beiträge nach und nach aufschalten.

Wer gerne mitmachen würde kann mir ein Mail auf schreiben

Update: Die Reihe ist nun fertig, hier die Übersicht über alle Beiträge.

Spinn' ich, oder ist Kindern Respekt beibringen wirklich schwieriger als früher?

Michael Winterhoff – Warum unsere Kinder Tyrannen werden

Michael Winterhoff – Warum unsere Kinder Tyrannen werden

Früher – also als ich noch Kind war – früher, da galt es etwas, wenn ein Erwachsener etwas sagte. Kinder fluchten Erwachsene nicht an, sie sagten nicht einfach trotzig “Nein!”, sie schlugen nicht, die Spielregeln waren einfach klar. Aber heute ist das ganz anders.

Soweit so gut. Haben wir schon tausendfach gehört. “Früher war alles besser”. Alter Kaffee.

Was mich aber fast verrückt macht, ist, dass meine Kinder so sehr in diese respektlose Haltung abdriften, obwohl ich sie nicht dazu erziehe. Was meine Eltern mit mir machten, mache ich doch auch: Ich bin konsequent, ich verbringe Zeit mit ihnen, zeige Interesse, etc. aber der Narzissmus, die Unfähigkeit auf andere einzugehen, Respekt zu zeigen wird gross in ihnen. Die Rezepte meiner Eltern greifen einfach nicht mehr; es ist alles viel zäher, mühsamer, und natürlich fängt man dann an an sich selbst zu zweifeln …

Wieso driften die Kinder heute viel stärker in Respektlosigkeit wie früher? Ein grosser Teil ist die Beeinflussung durch ihre Umwelt: Ihre Freunde sind respektlos; bei Kindergeschichten, -filmen und -liedern (z.B. Schtärnefoifi) ist fast immer der Tenor “Eltern sind blöd, Kinder sind schlauer”. Natürlich durchtränkt dies die Kinder, natürlich braucht es heute umso mehr Gegensteuer, um auf Kurs zu bleiben.

Nun, ist es die Mühe wert? Ist es denn wichtig? Ich komme zu Schluss: ja! Bei gefühlt der Hälfte der Bibelversen über den Umgang mit Kindern geht es darum, ihnen Respekt beizubringen. (z.B. fünftes Gebot, Exo. 20,12: »Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt!«).

Michael Winterhoff beschreibt den Wandel der Kindererziehung über 20 Jahre

Michael Winterhoff

Michael Winterhoff

Michael Winterhoff ist Kinder- und Jugendpsychiater und ist Autor des Buches mit dem dreisten Titel “Warum unsere Kinder Tyrannen werden”. Das Buch ist 2008 erschienen und ist mittlerweile recht populär: Es wurde ca. ½ Million mal verkauft. Ich fand es sogar bei uns in der Dorfbibliothek.

In seinen 20 Jahren Praxiserfahrung hat er einen Wandel in der Kindererziehung festgestellt. Waren anfangs nur 2-3 Kinder pro Klasse auffällig, so waren es zum Schluss ein Drittel. Die Erwartungen an die Kinder fielen von Jahr zu Jahr, aber Winterhoff blieb seinen Massstäben treu und behandelte die Kinder stets nach dem Schema, auch wenn er dabei etwas “altbacken” erschien. So vermied er, dass er sich dem Zahn der Zeit anpasste, und konnte den Wandel des Erziehungsstils gut dokumentieren.

Charles Darwin über die Krux des analytischen Denkens

Charles Darwin

Charles Darwin

Als Naturwissenschaftler hat mich folgendes Zitat von Charles Darwin angesprochen:

Bis zum Alter von 30 Jahren hatte ich grosse Freude an Poesie jeder Art, sogar als Schuljunge hatte ich Freude an Shakespeare. Früher gaben mir Bilder, und speziell Musik, grosses Vergnügen. Aber jetzt, seit Jahren, kann ich keine Zeile Poesie mehr ertragen: Ich habe versucht Shakespeare zu lesen, und ich empfand es so unerträglich öde, dass es mich anekelte. Ich habe auch beinahe alle Empfindungen für Bilder und Musik verloren. Ich erfreue mich mässig über grossartige Landschaften, aber es entsteht in mir nicht dieses herrliche Vergnügen, wie es früher war.

Mein Geist scheint sich in eine Art Maschine verwandelt zu haben, welche eine grosse Sammlung von Fakten in allgemeingültige Gesetze vermahlt. Doch ich verstehe nicht, wieso sich der Teil des Gehirns zurückgebildet hat, der diese gewaltigen Empfindungen hervorbringt.

Der Verlust dieser Empfindungen ist ein Verlust an Freude und wird vermutlich meinem Intellekt schaden, und noch wahrscheinlicher meinem moralischen Charakter, indem es den emotionalen Teil unserer Natur schwächt.

Aus: Autobiografie von Darwin, die er für seine Kinder schrieb, gefunden und übersetzt aus “John Piper: When I don’t desire God”

Auch ich bin dieser Gefahr ausgesetzt. Auch ich merke, dass es mir schwerfällt nach einem Tag analytischen Denkens mich auf die Schönheiten des Lebens: das Fahrradfahren durch die Natur, die fröhlichen Kinder, das feine Essen einzulassen.

Die Lösung ist aber nicht “weniger denken, mehr leben” sein, sondern die “Analyse von Gott” - die Welt durch Gottes Augen anschauen. Und Gott hat Freude an der Natur; dazu ein lustiges Zitat von Chesterton:

Es ist möglich, dass Gott jeden Morgen zur Sonne sagt: “Mach es nochmals”, und jeden Abend zum Mond: “Mach es nochmals”. Es muss nicht sein, dass alle Gänseblümchen gleich sind, aber nie wurde er müde sie nochmals zu machen. Es mag doch sein, dass er eine ewige Lust hat an der Kindheit; denn wir haben gesündigt und sind alt geworden, und unser Vater ist jünger als wir.

Aus: Chesterton: Orthodoxie, gefunden und übersetzt aus “John Piper: When I don’t desire God”

Was wenn die Beziehung zu Gott lustlos wurde? 2 Tipps von John Piper, getestet

John Piper - When I don’t desire God

John Piper - When I don’t desire God

Schleichend kam sie, die Lustlosigkeit: Keine Lust zum Beten, das Bibellesen gemäss Leseplan am Morgen abgehakt und los geht’s in den Tag.

Das war doch früher anders! Ich erinnerte mich wie John Piper in “Desiring God” beschrieb, wie sich “Lust” nach Gott anfühlt. Aber nun, wenn sie nicht mehr da ist, ist sie halt nicht mehr da.. Aber oh weh, leidig ist es, wenn Christen freudlos sind, Lloyd-Jones dazu:

Zu oft scheinen Christen in einer Dauer-Flaute zu sein; sie erwecken den Eindruck von Unzufriedenheit, fehlender Freiheit und Freudlosigkeit. Ohne Frage ist dies der Hauptgrund, wieso eine grosse Anzahl Menschen kein Interesse mehr am Christentum haben.

Doch was, wenn bei mir gerade Flaute ist? Genau dazu hat Piper das Buch geschrieben “When I Don’t Desire God: How to Fight For Joy”. Der Titel hat mich angesprochen und als Fan von John Piper kam ich eigentlich nicht um das Buch herum.

Im ersten Teil erweckt er eine “Lust nach Gott” (ähnlich wie in “Desiring God”), im zweiten Teil wird er praktisch: Es gibt natürlich viele Gründe, wieso man die Freude an Gott verloren hat: U.a. behandelt er das Thema “Depression”. Bei mir brauchte es einfach eine Portion “naht Euch zu Gott, so naht Er sich zu Euch” um meine Freude zu Gott wiederzufinden habe. Zwei Dinge haben mir dabei sehr geholfen:

1. Das Morgengebet

Ein englischer Prediger sagte mal: »well, do you need to read your bible in the morning? You only need to, if you want to do well spiritually«. Damals fand ich den Satz gesetzlich, aber mittlerweile stimme ich der Aussage zu (auch wenn ich sie vielleicht etwas anders formulieren würde). Auch Piper schlägt vor, jeden Morgen eine feste Zeit zu haben, sozusagen das “feste Fundament, worauf die freie Beziehung zu Gott stehen kann”.

Die meisten seiner Empfehlungen habe ich umgesetzt: Ich habe mir 1 Stunde Zeit eingeplant und einen speziellen Ort eingerichtet. Er empfiehlt, die Zeit mit einem Gebet zu beginnen:

Martyn Lloyd-Jones' »Die Predigt und der Prediger« - ein Interview

Die Predigt und der Prediger von Martin Lloyd-Jones, hier in der englischen Fassung

Die Predigt und der Prediger von Martin Lloyd-Jones, hier in der englischen Fassung

Martyn Lloyd-Jones gilt für viele als der letzte grosse Prediger. Seine Antwort auf leere Kirchbänke war lebendige, Gott-zentrierte, Geist-erfüllte Predigt. Er predigte in England nach dem 2. Weltkrieg, hielt 3 Predigten pro Woche und hatte ein Publikum von mehreren Tausend Zuhörern (!). Wenn es jemanden gibt, der etwas über Predigen in unserer Zeit weiss, dann er.

Nach rund 40 Jahren Predigterfahrung hielt er eine Vortragsreihe über das Predigen, diese erschien als Buch “Preaching and Preachers” (auf Deutsch: “Die Predigt und der Prediger”, 3L-Verlag).

Warum habe ich das Buch gelesen? Ich predige seit letztem Jahr jeden 2. Monat in unserer Gemeinde. Da ich einerseits einfach besser werden wollte im Predigen und andererseits wissen wollte, ob Predigen überhaupt meine Berufung ist habe ich ein Buch über dieses Thema gesucht. Dieses Buch ist mittlerweile zu dem Standardwerk zum Thema Predigt/Predigen geworden, darum war das meine erste Wahl. Über meine Berufung bin ich mir auch nach dem Buch noch nicht sicher. Was ich nach dem Buch nun aber weiss ist, was eine Predigt ist, wie man sie vorbereitet und wieso Predigen so wichtig ist.

Im Buch begeisterten mich die Fülle von Lloyd-Jones’ Einsichten; ich war überrascht über seine ansteckende Ernsthaftigkeit. Es ist zudem sehr praktisch und gespickt mit vielen Erlebnissen, welche Lloyd-Jones in seinem vierzigjährigen Dienst erlebt hat. Am unterhaltsamsten fand ich die Episode, als er für eine Predigt eingeladen wurde, welche ausgestrahlt wurde und er die Predigt eigentlich auf eine bestimmte Uhrzeit fertig vorgetragen haben musste, er sich dann aber dafür entschied, auf den Heiligen Geist zu hören und dann nicht ganz zur Zeit fertig wurde :-) (S. 258).

Begeistert über das Buch wollte ich die wichtigsten Erkenntnisse aufschreiben. Um die Zusammenfassung unterhaltsamer zu gestalten (und die Lebendigkeit des Buches zum Ausdruck zu bringen), habe ich den Inhalt kurzerhand in ein Interview umgeformt. Die Seitenangaben beziehen sich auf die 2005 erschienene Hardcopy-Auflage der 3L-Verlages.

Martyn Lloyd-Jones am Predigen

Martyn Lloyd-Jones am Predigen

Interview: Die Wichtigkeit der Predigt

Herr Lloyd-Jones, wieso setzen Sie sich für die Wichtigkeit der Predigt ein?

Die Predigt hat im letzten Jahrhundert enorm an Wichtigkeit eingebüsst. Hauptsächlich ist dies passiert, weil die Gesellschaft weniger an die Echtheit und Autorität der Bibel glaubt (S. 16). Das Wort Gottes ist aus dem Zentrum gerückt und stattdessen geht es mehr um ein Zeremoniell, um das “drum herum”.

Die Folge davon ist ein Rückgang des Glaubens, leere Kirchen, teilnahmslose Christen.

Betrachtet man die Kirchengeschichte aus der Vogelperspektive, dann sieht man Folgendes: Der Glaube verfällt immer dann, wenn die Predigt ihre Bedeutung verliert. (S. 27)

Diesen momentanen Verfall wollen nur wenige wahrhaben. Der Grund dazu ist, dass unsere Wohlstandsgesellschaft die Menschen betäubt. Sie vermittelt ihnen das Gefühl, dass mit ihnen alles in Ordnung sei (S. 36). Es ist die Aufgabe der Kirche und die Aufgabe der Predigt - und sie allein vermag dies zu tun - bei der Wurzel der Probleme zu beginnen.