#Psychologie

Es gibt kein Buch über Smartphones.

Ja, doch, natürlich gibt es Bücher über Smartphones, aber ich suchte eines, das die zugrundeliegende Psychologie dahinter erklärt, wie auch wie die Smartphone-Industrie funktioniert, oder was es mit der Gesellschaft macht. Und das fand ich nicht.

Irgendwie komisch, denn es gibt Bücher über die dümmsten Themen. Darm mit Charme zum Beispiel. Nicht, dass jetzt alle meine Freunde über Darm-Probleme reden würden. Aber trotzdem kommt das auf die Bestenliste.

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Justin Rosenstein – Erfinder des Facebook-Like-Buttons – blockierte auf seinem Laptop Reddit und Snapchat und limitierte Facebook. Doch das genügte nicht. Schlussendlich kaufte er sich ein neues iPhone und beauftragte seine Sekretärin, ihm darauf eine Kindersicherung einzurichten, damit er keine Apps mehr installieren kann.

Leah Pearlman – ehemalige Team-Kollegin von Rosenstein – schloss sich per Browser-Plugin von ihrem Facebook-Newsfeed aus und stellte jemanden ein, der nun ihren Facebook-Feed beobachtet, so dass sie das nicht mehr selbst tun muss.

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Michael Winterhoff – Warum unsere Kinder Tyrannen werden

Früher – also als ich noch Kind war – früher, da galt es etwas, wenn ein Erwachsener etwas sagte. Kinder fluchten Erwachsene nicht an, sie sagten nicht einfach trotzig “Nein!”, sie schlugen nicht, die Spielregeln waren einfach klar. Aber heute ist das ganz anders.

Soweit so gut. Haben wir schon tausendfach gehört. “Früher war alles besser”. Alter Kaffee.

Was mich aber fast verrückt macht, ist, dass meine Kinder so sehr in diese respektlose Haltung abdriften, obwohl ich sie nicht dazu erziehe. Was meine Eltern mit mir machten, mache ich doch auch: Ich bin konsequent, ich verbringe Zeit mit ihnen, zeige Interesse, etc. aber der Narzissmus, die Unfähigkeit auf andere einzugehen, Respekt zu zeigen wird gross in ihnen. Die Rezepte meiner Eltern greifen einfach nicht mehr; es ist alles viel zäher, mühsamer, und natürlich fängt man dann an an sich selbst zu zweifeln …

Wieso driften die Kinder heute viel stärker in Respektlosigkeit wie früher? Ein grosser Teil ist die Beeinflussung durch ihre Umwelt: Ihre Freunde sind respektlos; bei Kindergeschichten, -filmen und -liedern (z.B. Schtärnefoifi) ist fast immer der Tenor “Eltern sind blöd, Kinder sind schlauer”. Natürlich durchtränkt dies die Kinder, natürlich braucht es heute umso mehr Gegensteuer, um auf Kurs zu bleiben.

Nun, ist es die Mühe wert? Ist es denn wichtig? Ich komme zu Schluss: ja! Bei gefühlt der Hälfte der Bibelversen über den Umgang mit Kindern geht es darum, ihnen Respekt beizubringen. (z.B. fünftes Gebot, Exo. 20,12: »Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt!«).

Michael Winterhoff beschreibt den Wandel der Kindererziehung über 20 Jahre

Michael Winterhoff

Michael Winterhoff ist Kinder- und Jugendpsychiater und ist Autor des Buches mit dem dreisten Titel “Warum unsere Kinder Tyrannen werden“. Das Buch ist 2008 erschienen und ist mittlerweile recht populär: Es wurde ca. ½ Million mal verkauft. Ich fand es sogar bei uns in der Dorfbibliothek.

In seinen 20 Jahren Praxiserfahrung hat er einen Wandel in der Kindererziehung festgestellt. Waren anfangs nur 2-3 Kinder pro Klasse auffällig, so waren es zum Schluss ein Drittel. Die Erwartungen an die Kinder fielen von Jahr zu Jahr, aber Winterhoff blieb seinen Massstäben treu und behandelte die Kinder stets nach dem Schema, auch wenn er dabei etwas “altbacken” erschien. So vermied er, dass er sich dem Zahn der Zeit anpasste, und konnte den Wandel des Erziehungsstils gut dokumentieren.

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Sofies Welt beantwortet die Frage: In welche Zeit bin ich hineingeboren worden?

Jede Generation hat ihre verfärbende Brille auf. Dinge, die nie hinterfragt werden, die “einfach so sind”. Im Nachhinein sagt man dann “Wie konnten sie nur..”.

Wie bitte sehr wurde Sklavenarbeit begründet? Wie konnte es nur zum Nationalsozialismus kommen? Mich lässt die Frage nicht los: Wird man in der Zukunft über unser Jahrhundert sprechen: “Wie konnten sie nur..?”. Ohne Frage! Doch was ist an der heutigen Zeit abartig? Und wie kann ich dies erkennen und mich davon distanzieren?

Ich selbst bin ein Kind der Zeit und bin auch als Christ in gewissen Gedankenmustern gefangen. Doch in welchen? Mir fehlte der Überblick über die Philosophie-Geschichte, um die vielen Gedanken überhaupt einordnen zu können: Woher stammt die heutige Weltanschauung? Woher kommen verschiedene christliche Strömungen (insbesondere das liberale Christentum)? Ich war schon drauf und dran den “Störig“ zu bestellen, als mir ein Kollege Sofies Welt empfahl.

Das Buch ist enorm spannend geschrieben. Trotz der 600 Seiten hatte ich es - als ungeübter Leser - in knapp zwei Wochen durch, da es eine geschickte Mischung zwischen Philosophie-Geschichte und Storytelling ist. Die geschickte Erzählstruktur hat das Buch auch in die “Top 50 Liste” der meist verkauften Bücher katapultiert. Das Buch ist definitiv lesenswert. Obwohl es nicht christlich ist, kann ich es als eine gute Übersicht zur Philosophie empfehlen. Ich habe eine Zusammenfassung aller Philosophen gemacht, welche im Buch behandelt werden.

Was mich besonders interessiert hatte: Ich wollte wissen, woher gewisse Denkensarten herkommen. Ich habe 5 Strömungen analysiert mit einem Wissensstand von “Sofies Welt”, ich kann nicht für mehr Korrektheit als Sofies Welt garantieren, insbesondere wenn es darum geht woher ein gewisses Gedankengut kommt.

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Chesterton: Ketzer – ein Aufruf zum scharfsinnigen Denken

G.K. Chesterton (1874 – 1936) war ein Phänomen. Ich habe noch niemanden gelesen, der so konsequent jeden Gedanken umdreht: Mit einer Leichtigkeit ergreift er Behauptungen, welche eigentlich jeder richtig findet, wendet sie vor und zurück und, was vorher mir vorher logisch erschien, erscheint plötzlich völlig absurd! Und dabei schreibt Chesterton witzig, schlicht und niemals ironisch.

Chesterton war als Jugendlicher Agnostiker, ist dann zum Christentum konvertiert und trat am Schluss seines Lebens der katholischen Kirche bei. Er war wohl ziemlich einseitig begabt. Einige Male hat er auf Reisen seiner Frau telegrafiert mit der Frage, wo er nun eigentlich hinsollte (sie hat dann jeweils geschrieben: “Home!”). Er war ein Denker, ein Tagträumer. Solche Menschen finde ich sympathisch, vielleicht, da mir mein Englischlehrer das Gleiche vorwarf. “Philipp, are you with us?” hat er gefragt, wenn ich mal wieder einem Gedanken nachjagte.

Das Buch “Ketzer: Ein Plädoyer gegen die Gleichgültigkeit” war nun das erste Buch, das ich von ihm las (auf Empfehlung von Hanniel). Ich denke, es wird nicht das Letzte sein. Denn Chesterton greift Denkfehler an, welche sich langsam in die Gesellschaft einschlichen. Was mich eigentlich überraschte: Neun Kapitel widmete er zeitgenössischen Schriftstellern und ihren Denkfehlern. Die Schreiber sind heute allesamt nicht mehr bekannt (jedenfalls mir nicht), aber ihre Denke hat hundert Jahre überlebt - in einigen Fällen haben sie sich sogar noch ausgeweitet und sich zu regelrechten Monstern entwickelt.

Ich habe fünf seiner philosophischen Kunststückchen herausgerissen und gebe ein paar einprägsame Zitate wieder - ich hoffe, dass dem einen oder anderen Leser der Reichtum seiner Gedanken erschließt.

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Hans-Joachim Maaz: Die narzisstische Gesellschaft. Wie narzisstisch bin ich selbst?

Das Buch “Die narzisstische Gesellschaft” von Hans-Joachim Maaz ist zwar kein christliches Buch, aber die Beschreibung hat mich sofort angesprochen:

Der narzisstische Mensch ist im Kern ein um Anerkennung ringender, stark verunsicherter Mensch. So tut er alles, um die Bestätigung, die er zum Leben braucht, zu erhalten. Diese narzisstische Kompensation bedarf ständig erweiterter Ablenkung durch Konsum, Besitz, Animation und Aktion.

Seit ein paar Monaten bin ich immer wieder über den Begriff “Narzissmus” gestolpert und wollte prüfen, wie es denn bei mir steht. Tief drin schlummerte der Verdacht, dass ich ein Narzisst inmitten von lauter Narzissten bin. Ich wollte wissen: Wie sehr definiere ich mich durch meine Umgebung?

Ja, ich gestand mir ein, dass mir die Traffic-Zahlen meines Blogs (zu) wichtig sind. Und auch, dass ich (allzu sehr) wissen wollte, was andere in der Gemeinde über mich denken. Aber so sind doch alle, nicht? Daher kann es nicht so schlimm sein, oder? Doch! Wenn nämlich der Grossteil meiner Mitmenschen ebenfalls vom Narzissmus befallen ist, und genau das ist Maaz’ Aussage:

Ich spreche auch von der großen Zahl von Menschen, die gut angepasst an die Verhältnisse und Erwartungen ihrer Umwelt relativ unauffällig, eigentlich normal und ganz anständig leben […]. Die Grenzen zwischen «noch normal» und «schon pathologisch» sind fließend, und durch das, was «alle» machen, ist ihre Bewertung verzerrt. So kann die Mehrheit einer Bevölkerung extrem selbstentfremdet und hochpathologisch leben, ohne dass das wahrgenommen wird, weil eben «alle» so sind.

Oha! Das heisst: Die Welt um mich herum ist narzisstisch und verführt mich dazu, auch so zu sein wie sie. Könnte daher “stellt Euch nicht dieser Welt gleich“ für mich heute heissen, aus der Welt des Narzissmus auszubrechen?

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