Erziehung

Spinn' ich, oder ist Kindern Respekt beibringen wirklich schwieriger als früher?

Michael Winterhoff – Warum unsere Kinder Tyrannen werden

Michael Winterhoff – Warum unsere Kinder Tyrannen werden

Früher – also als ich noch Kind war – früher, da galt es etwas, wenn ein Erwachsener etwas sagte. Kinder fluchten Erwachsene nicht an, sie sagten nicht einfach trotzig “Nein!”, sie schlugen nicht, die Spielregeln waren einfach klar. Aber heute ist das ganz anders.

Soweit so gut. Haben wir schon tausendfach gehört. “Früher war alles besser”. Alter Kaffee.

Was mich aber fast verrückt macht, ist, dass meine Kinder so sehr in diese respektlose Haltung abdriften, obwohl ich sie nicht dazu erziehe. Was meine Eltern mit mir machten, mache ich doch auch: Ich bin konsequent, ich verbringe Zeit mit ihnen, zeige Interesse, etc. aber der Narzissmus, die Unfähigkeit auf andere einzugehen, Respekt zu zeigen wird gross in ihnen. Die Rezepte meiner Eltern greifen einfach nicht mehr; es ist alles viel zäher, mühsamer, und natürlich fängt man dann an an sich selbst zu zweifeln …

Wieso driften die Kinder heute viel stärker in Respektlosigkeit wie früher? Ein grosser Teil ist die Beeinflussung durch ihre Umwelt: Ihre Freunde sind respektlos; bei Kindergeschichten, -filmen und -liedern (z.B. Schtärnefoifi) ist fast immer der Tenor “Eltern sind blöd, Kinder sind schlauer”. Natürlich durchtränkt dies die Kinder, natürlich braucht es heute umso mehr Gegensteuer, um auf Kurs zu bleiben.

Nun, ist es die Mühe wert? Ist es denn wichtig? Ich komme zu Schluss: ja! Bei gefühlt der Hälfte der Bibelversen über den Umgang mit Kindern geht es darum, ihnen Respekt beizubringen. (z.B. fünftes Gebot, Exo. 20,12: »Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt!«).

Michael Winterhoff beschreibt den Wandel der Kindererziehung über 20 Jahre

Michael Winterhoff

Michael Winterhoff

Michael Winterhoff ist Kinder- und Jugendpsychiater und ist Autor des Buches mit dem dreisten Titel “Warum unsere Kinder Tyrannen werden”. Das Buch ist 2008 erschienen und ist mittlerweile recht populär: Es wurde ca. ½ Million mal verkauft. Ich fand es sogar bei uns in der Dorfbibliothek.

In seinen 20 Jahren Praxiserfahrung hat er einen Wandel in der Kindererziehung festgestellt. Waren anfangs nur 2-3 Kinder pro Klasse auffällig, so waren es zum Schluss ein Drittel. Die Erwartungen an die Kinder fielen von Jahr zu Jahr, aber Winterhoff blieb seinen Massstäben treu und behandelte die Kinder stets nach dem Schema, auch wenn er dabei etwas “altbacken” erschien. So vermied er, dass er sich dem Zahn der Zeit anpasste, und konnte den Wandel des Erziehungsstils gut dokumentieren.

Familie bauen nach Jak. 3:17: ohne Heuchelei

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe “Familie bauen nach Jak 3:17”. Hier geht’s zur Übersicht.

Jak. 3:17 Doch die Weisheit von oben ist erstens heilig, dann friedlich, gütig, bereit einzuwilligen, ist reich an Barmherzigkeit und guten Früchten, ist ohne Zweifel und ohne Heuchelei

Nun zum letzten Teil der kleinen Serie über Kindererziehung über Jak. 3:17

Das griechische Wort anypokritos ist die Negation von hypokritēs, das Wort für Heuchelei (Englisch: Hypocrisy). Das Wort wurde bei den Griechen für Schauspieler benutzt, also ganz Allgemein beschreibt es, wenn das Sein sich vom Schein unterscheidet.

Jakobus repetiert hier nochmals, was er ganz zum Anfang des Verses geschrieben hat: die Weisheit ist heilig. Denn “ohne Heuchelei” ist im Grunde genommen dasselbe, und da ich auf heilig nicht gross eingegangen bin, will ich nun auf ohne Heuchelei umso mehr eingehen.

was ist Heuchelei?

Heuchelei ist übel. Sehr übel. In Mt. 23 warnt Jesus ein ganzes Kapitel lang vor der Heuchelei der Pharisäer, in einer so deutlichen und direkten Weise, dass ich beim Lesen jedes Mal wieder überrascht bin.

Doch was ist Heuchelei (hypocrisy)? Ist es Heuchelei, wenn ich etwas tue, auch wenn ich mich nicht danach fühle? Kevin DeYoung schreibt dazu:

Viele Christen missverstehen die Natur der Heuchelei: Sie denken, dass Heuchelei die Kluft zwischen Handeln und Fühlen ist.

Unsere Kinder sollen ja gerade lernen, nicht nach ihren Gefühlen zu handeln, sondern nach ihren Überzeugungen. Das macht persönliche Reife gerade aus! Um das ging es Jesus bei seiner Warnung vor Heuchelei nicht. Worum gine es ihm denn?

Mt. 23:5: Alle ihre Werke aber tun sie, damit sie von den Leuten gesehen werden

Oder in den Worten von Kevin DeYoung:

Heuchelei ist nicht die Kluft zwischen Handeln und Fühlen; sie ist die Kluft zwischen öffentlichem und privatem Charakter

Es ist das Wahren eines öffentlichen Scheins - und Gott bewahre uns davon zu glauben, dass das nur ein Problem der Pharisäer war und uns das heute nicht mehr relevant ist:

Familie bauen nach Jak. 3:17: ohne Zweifel

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe “Familie bauen nach Jak 3:17”. Hier geht’s zur Übersicht.

Jak. 3:17 Doch die Weisheit von oben ist erstens heilig, dann friedlich, gütig, bereit einzuwilligen, ist reich an Barmherzigkeit und guten Früchten, ist ohne Zweifel

Gerade vorneweg: ohne Zweifel ist meine eigene Übersetzung. In den meisten deutschen Bibeln steht “unparteiisch”. Darum: meine Übersetzung ist mit Vorbehalt zu geniessen, ich kann nicht griechisch, sondern habe meine Schlüsse aus dem “Enhanced Strongs Dictionary”, welches mir folgendes erklärt: Das griechische Wort adiakritos, welche ich hier mit “ohne Zweifel” übersetzt habe, hat 2 Bedeutungen:

  1. parteilos, ohne Diskrimierung, ohne Vorzüge
  2. ohne Zweifel

Diakritos (also ohne die Negierung) verwendet Jakobus 2 Kapitel vorher, und da wird es mit “zweifeln” übersetzt:

Jak.1:6-7: wer zweifelt, der gleicht einer Meereswoge, die vom Winde getrieben und bewegt wird. Ein solcher Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen werde

Ich denke als, hier kann ebenso gut “ohne Zweifel” gemeint sein statt unparteiisch.

Wie lässt sich dies auf die Erziehung anwenden? Gott hat uns als Eltern eingesetzt. Es ist nicht so, dass wir zufällig Eltern unserer Kinder geworden wären. Wir wurden es auch nicht aus eigenem Willen. Ja, wir wollten Kinder, aber Gott hat uns die Kinder gegeben, daher war es sein Wille, dass wir Kinder haben (Ps. 127:3). So hat uns Gott als Eltern eingesetzt, nicht wir selber. Er will, dass wir für sie sorgen und sie beschützen, er will, dass wir ihnen den ganzen Glauben erklären (5. Mose 6:7). Das ist keine Aufgabe, welche wir uns selber gegeben haben, sondern sie kommt von Gott. Und - da wir Gottes Beauftragte sind - will Gott auch, dass unsere Kindererziehung funktioniert, denn er will ja die Kinder durch uns beschenken.

dunkler Selbst-Zweifel zieht auf

Nun gibt es Tage, da scheint es mir, als würde unsere Erziehung überhaupt nicht funktionieren. All unsere Anstrengungen scheinen gar nicht gefruchtet zu haben. Zweifel steigt auf:

Was? Sowas kommt aus dem Mund meiner Kinder? So gehen sie mit uns um? Haben wir hier eigentlich alles falsch gemacht? Funktionieren die Dinge überhaupt, welche Gott uns gezeigt hat? Oder tauge ich als Vater nichts, bringe ich nicht die nötigen Qualifikationen mit?

Familie bauen nach Jak 3:17: gute Früchte & reiche Barmherzigkeit

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe “Familie bauen nach Jak 3:17”. Hier geht’s zur Übersicht.

Jak. 3:17a Doch die Weisheit von oben ist erstens heilig, dann friedlich, gütig, bereit einzuwilligen, ist reich an Barmherzigkeit und guten Früchten

Ich habe mir eine gute Stunde den Kopf zerbrochen, was der Zusammenhang zwischen “Barmherzigkeit” und “guten Früchten” sein könnte. Die Wörter sind durch das “und” miteinander verbunden (auch im Griechisch). Und nur wenn man diese zusammen nimmt zählt die Liste 7 Eigenschaften. Ist doch überzeugend: 7 müssen es sein, oder?

Aber was hat denn Barmherzigkeit mit guten Früchten zu tun? Nirgends im NT werden die Wörter zusammen gebraucht: Barmherzigkeit ist keine “Frucht des Geistes” und keine der Bibel-Kommentare ging darauf ein, also dachte ich: was soll’s, lassen wir den Zusammenhang aus, konzentrieren wir uns auf die beiden einzelnen Teile

gute Früchte

Eltern sein ist schon ein verdammt harter Job. Oft möchte ich schreien: “unfair!” weil ich finde, ich gebe und gebe, und es kommt nicht mal ein Danke zurück, auch das muss ich den Kindern beibringen.

Natürlich fühle ich mich nicht immer so, aber wenn ich mich so fühle, dann fühlt es sich so an, als wäre es immer.

2 Verse, welche mir in diesen Momenten helfen, meine Verantwortung als Vater anzunehmen und gute Früchte zu bringen:

Familie bauen nach Jak 3:17: bereit einzuwilligen

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Jak. 3:17a Doch die Weisheit von oben ist erstens heilig, dann friedlich, gütig, bereit einzuwilligen, …

Das griechische Wort eupeithēs heisst so viel wie “einfach zu überzeugen”, und zwar egal ob die Argumente richtig oder falsch sind. Es ist die Bereitschaft, seine Meinung um des anderen willen anzupassen.

Gefahr, Autorität zu verlieren

Nur: wenn ich das in den Kontext der Kindererziehung stelle, dann meldet sich sofort folgender Gedanke:

Moment mal! Wenn ich meinen Kindern nachgebe, so verliere ich jede Form von Autorität! “bereit einzuwilligen” schön und gut aber wie lässt sich das auf Kinder-Erziehung anwenden?

Wie lässt sich diese Bereitschaft auf die Meinungen der Kinder einzugehen vereinbaren z.B. Kol 3:20 wo es heisst Ihr Kinder, seid gehorsam den Eltern in allen Dingen? Die Frage ist also: untergräbt diese Bereitschaft nicht die Autorität der Eltern? Ich meine: Nein, ganz im Gegenteil!

Lass mich das erläutern, mittels erfundenem Beispiel:

Der Vater hat herausgefunden, dass am Wochenende die Eisbahn offen ist und schönes Wetter ist, er will mit seinem 6-jährigen Reto am Samstag Schlittschuh laufen gehen, Reto ist vom Vorschlag gar nicht begeistert. Aus Angst, die Autorität über seinen Jungen zu verlieren, drückt der Vater seinen Vorschlag durch. Reto geht am Samstag widerwillig mit dem Vater mit. Der Vater muss sich noch bis vor der Eisbahn Vorwürfe von Reto anhören.

Familie bauen nach Jak 3:17: Güte

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Diese Reihe über “Familie bauen nach Jak 3:17” ist mir nahe am Herzen: Es ist, was Gott uns - zum Teil recht schmerzlich - gelehrt hat über die letzten 3 Jahre mit unseren Kindern.

Anfangs dachten wir: Erziehung = konsequent sein. Dies schienen alle um uns zu betonen. Also waren wir konsequent, aber wir liessen all die Samen aus, von welchen Jak 3:17 spricht. Wir dachten, dass durch blosse Konsequenz eine gute Familienatmosphäre eintritt. Als das dann nicht passierte, wurden wir genervt. Es schlich sich mehr und mehr Zorn ein.

Beim Studium von Jak 3:17 fiel mir plötzlich auf, dass dies genau die Eigenschaften sind, welche uns Gott die letzten Jahre lehrte. Was Du da liest ist quasi unser Familien-Credo

Nun zu der nächsten Eigenschaft: Güte

Jak. 3:17a Doch die Weisheit von oben ist erstens heilig, dann friedlich, gütig, …

Gütig

Gütig - griechisch epieikeia - kann übersetzt werden mit Rücksichtnahme, Langmut, Kulanz.

Helps Word-Studies beschreibt das Wort so:

Epieikeia ist eine süsse Vernünftigkeit. Sie weiss wann sie die striken gesetzlichen Erwartungen an andere entspannen soll, damit sie den Sinn des Gesetzes vollziehen kann.

Einige Familien-Regeln scheinen beim Einsetzen sehr simpel zu sein: Gewisse Wörter sagt man einfach nicht. Dafür gibt es eine Strafe. Was passiert aber, wenn das Kind das Wort sagt, jedoch einen Laut auswechselt? Muss es dann auch ins Zimmer? Was, wenn es das Wort in der Hitze des Gefechts sagt? Oder wenn es sich ausgeschlossen fühlt?

Wenn wir die Konsequenzen einfach “durchziehen”, ungeachtet der Umstände, dann passiert folgendes: sie empfinden das ganze System als lächerlich und unfair und lehnen sich dagegen auf.

Familie bauen nach Jak 3:17: Heiligkeit & Friede

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Nach einem kurzen Einschub über Gerechtigkeit nun zu den ersten zwei Eigenschaften der “Weisheit von oben”:

Jak. 3:17a: Doch die Weisheit von oben ist erstens heilig, dann friedlich

Heiligkeit

Das griechisch Wort hagnos wurde ursprünglich benutzt um zu erklären, dass etwas bereit ist für den Gottesdienst: heilig, abgesondert von normalen Gegenständen.

Für mich als Vater heisst das, dass ich vor den Kindern als Gott-Geweihter lebe. Mein Leben soll die Worte von Josua wiedergeben: Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.

Familie bauen nach Jak 3:17, Einschub: Gerechtigkeit

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Ein Einschub über die Gerechtigkeit: Das Griechische Wort Dikaiosune ist übersetzt die “Gottwohlgefälligkeit”. Das ist der Zustand, der jeder Mensch vor Gott haben sollte: ein Leben in Liebe zu Gott, in Liebe zu Mitmenschen; in Anstand, Rechtschaffenheit, Reinheit, Aufrechtigkeit, richtigem Denken, Fühlen und Handeln.

Kein Mensch hat das jemals geschafft. Darum kam Jesus und schaffte dies für die Menschen. Statt den Lohn der Gottwohlgefälligkeit zu erhalten hat er freiwillig den Lohn unseres verkehrten Weges gewählt, damit wir den Lohn seines rechten Wandels bekommen. Das ist das Evangelium.

Also wird Gerechtigkeit im Neuen Testament benutzt um

  1. zu erklären, dass Jesus uns seine Gerechtigkeit schenkt
  2. zu erklären, wie wir leben sollen

Familie bauen nach Jak 3:17: Einleitung

Stellen wir uns kurz eine Familie vor, welche in einem Garten lebt. Sie hat nur diesen einen Garten - also ähnlich wie der Garten Eden. Sie isst von den Pflanzen, sie schläft im Gras. Es gibt nur diesen Garten und sonst nichts. Die Eltern sind die Gärtner. Sie säen, bewässern und jäten das Unkraut.

Der Zustand des Gartens entspricht dem geistlichen Zustand der Familie. Gedeihen die Pflanzen, gibt es viele Früchte: Äpfel, Trauben, Weizen-Ähren. Wenn es viel hat, dann kommen sogar auch andere Familien und essen davon. Verdorren die Pflanzen, ist die Familie mürrisch und lebt in ständigem Hunger und stiehlt einander die Früchte weg.