Ein beliebter Angriffspunkt der Bibel ist die Kindheitsgeschichte von Jesus: Eine Volkszählung hätte es nie gegeben, der Kindermord von Herodes wäre sonst nirgends dokumentiert, die Flucht nach Ägypten und die Sterndeuter aus dem Osten seien auch erfunden. Das Argument der Kritiker: die Geschichten seien nachträglich eingefügt worden, damit Jesu’ Leben alle Prophezeiungen im Alten Testament erfülle.

Klaus Berger geht in seinem Buch “die Bibelfälscher” auf alle Argumente ein und argumentiert gekonnt, wieso es nicht abwegig ist, dass sich alles so zugetragen hat.

Die Kindheitsberichte als Legenden zu bezeichnen findet er historisch nicht nachvollziehbar:

Die Kindheitsberichte in Mt und Lk als Legenden zu bezeichnen ist ein Anachronismus, denn Legenden sind erbauliche Tischlesungen in mittelalterlichen Klöstern. Die Zeit Jesu kennt derartige Lesungen nicht, sondern stellt vor die Alternative, etwas entweder für eine Lügengeschichte oder für einen mehr oder weniger gut bezeugten Erfahrungsbericht zu halten.

Weiter kontert er geschickt gegen die Argumente, dass die Evangelien in sich selbst widersprüchlich sind:

Wenn aber der Leser des [Matthäus-]Evangeliums mit der Auskunft »bedient« wird, der Evangelist habe sich auf kürzestem Raum in heillose Widersprüche verstrickt, dann war der Evangelist entweder dumm oder betrügerisch, oder er hatte recht. […] Anders als Juristen lässt man nicht die Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Betrugs gelten, sondern man lauert auf die Indizien, um zuzuschlagen. Selbst das geringste Indiz genügt vollauf. Dann ist der Evangelist bereits »erledigt«. Das Verfahren der Forschung erinnert an einen gerade in der Entstehung begriffenen Beruf, der »Plagiatsnachweisführer für Politikerdissertationen«. Das ist kein Sport, wie oft gesagt wird, sondern ein (auch, wie man hört, bezahlter) Job, der deshalb so erfolgreich ist, weil der geringste Verdacht in der Regel genügt, um eine Person zum »Kippen« zu bringen.